Über mein Schreiben

Die Entstehungsgeschichte von „Mersand“

Die Entstehungsgeschichte von „Am Ende des Fegefeuers

Die Entstehungsgeschichte von „Migräne“

 

Für wen schreibe ich?

Ich schreibe für Menschen, die nicht unbedingt an die Hand genommen werden wollen, obwohl ich glaube, dass meine Geschichten einen Sog entwickeln können. Ein Sog, der für manche wirkt und für andere nicht, das ist meine Erfahrung. Meine Texte sind Häuser mit Falltüren, versteckten Zimmern und doppelten Böden. Man kann trotzdem zügig hindurchgehen. Manche werfen auch nur einen Blick hinein und sind irritiert. Schiefe Wände, Löcher in den Böden, schräge Bilder… Was soll das bloß? Andere lassen sich ein, lassen sich hinein- und hindurchsaugen. Um dann später vielleicht noch einmal zurückzugehen und sich alles noch einmal genau anzusehen? Und vielleicht etwas Neues zu entdecken? Idealerweise etwas, was bleibt.

Ich stelle mir unsere Erfahrungen, unser Wissen als einen Strom vor, der unsichtbar immer um uns herum und durch uns hindurchfließt. Wir geben etwas hinein und nehmen etwas heraus. Unablässig. Meine Art etwas hineinzugeben ist das Schreiben. Und ich nehme natürlich auch ganz viel heraus. Ich zitiere sehr viel in meinen Texten, manchmal sehr direkt oder sogar wörtlich. Manchmal indirekt.

 

Sind meine Geschichten realistisch?

Das Mietshaus in Migräne ist ein Haus ganz ähnlich dem in Prenzlauer Berg, in dem ich zehn Jahre gewohnt habe. Aber natürlich ist es das ganz und gar nicht. In meinen Geschichten spiegeln sich Innen- und Außenwelt. Manche Menschen irritiert das. Sie werden richtig böse, weil ich du das nicht fein säuberlich trenne. Ich weiß nicht so recht, warum, schließlich bin ich keine Sachbuchautorin, mein Aufgabe ist es nicht ein genaues Bild der Realität zu zeichnen. Das ist nicht möglich. Obwohl ich das letztendlich doch versuche. Ich zeichne Bilder von einigen der unendlich vielen Realitäten. Es gibt Realitäten von denen ich viel verstehe und andere von denen ich nichts verstehe.
Ich verstehe relativ viel vom Umgang mit mancher Art Traumata.

Wenn es einen roten Faden durch die meisten meiner Texte gibt, dann ist es das. In meinen Texten geht es immer wieder um das Überleben. Manchmal um das notdürftige Überleben, das schwierige, das gebrochene. Aber am Ende dann doch immer um das gute Überleben. Um das Heilen.

 

Schreibe ich autobiographisch?

Ja und nein?
Die Themen in meinen Geschichten sind mir sehr nah, es sind meine wesentlichen Erfahrungen.
Trotzdem sind die Geschichten erfunden. Ich verwende aber gelegentlich Dinge, die ich erlebt oder beobachtet habe. Auch die Figuren sind erfunden, aber sie enthalten Elemente von mir selbst und von Menschen, die ich kenne.
Meine Geschichten sind erfunden, aber sie sind wahr.

 

Bin ich eine Thrillerautorin?

Nein. Genre ist mir relative egal. Aber bei Migräne hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass es ein Thriller werden würde. Ich halt es auch für ein relativ offenes Genre, offener und weniger reguliert als der Kriminalroman.

Ich bin Geschichtenerzählerin. Ich bin auch Geschichtenleserin. Vieles von dem, was ich lese ist flüchtig. Es unterhält mich eine Weile, fesselt mich vielleicht sogar, aber bald habe ich es vergessen. Das ist okay. Ich habe nichts gegen Unterhaltungsliteratur.
Doch ab und zu stoße ich auf Geschichten, die mich wirklich berühren, von denen etwas zurückbleibt. Das sind die Autorinnen und Autoren, zu denen ich immer wieder  zurückkehre.

Ich möchte gerne Texte schreiben, die mich selbst berühren, in der Hoffnung, dass sie auch andere berühren. Ich möchte Geschichten schreiben, die unterhalten und bleiben. Die vielschichtig sind und tief. Und nachhaltig. Zumindest für manche.

 

Unter welchen Bedingungen schreibe ich?

Wenn ich die erste Fassung schreibe, brauche ich absolute Ruhe, wenig Licht und es sollte auch nicht zu warm sein. Ich schotte mich völlig ab, damit ich mich ganz auf die Figuren und Geschichten konzentrieren kann, damit ich in einen Flow komme. Ich schreibe am besten nachts.

Zweite oder dritte Überarbeitungen kann ich auch tagsüber machen und dann kann ich auch mal fünf oder mehr Stunden am Tag daran sitzen.

Schreiben ist für mich sehr anstrengend. Nach spätestens drei Stunden, meistens früher, muss ich aufhören. Ich fühle mich dann meistens sehr ausgelaugt. In der Zeit zwischen den Schreibsitzungen tanke ich wieder auf. Diese Zeit ist mindestens so wichtig wie das Schreiben selbst. In dieser Zeit arbeitet es in mir weiter, die Figuren entwickeln sich weiter, die Geschichte entwickelt sich, manchmal lösen sich Blockaden. Manchmal beobachte oder erlebe ich etwas, was mir in der Entwicklung der Geschichte weiterhilft, vielleicht sogar ein Hindernis beseitigt oder ein Problem löst.
Ich gewinne Abstand und kann mich dem Text wieder neu nähern.
Es darf aber nicht zu viel Zeit zwischen den Schreibphasen liegen. Idealerweise mache ich vier bis fünf Schreibsitzungen pro Woche.

Ich kann immer nur an einem Text arbeiten.
Mal eben schnell einen anderen kleinen Text dazwischen schieben, geht nicht, das bringt mich aus dem Flow.